- Das Verhältnis von AST zu ALT wird als diagnostisches Hilfsmittel herangezogen:
- Ein AST:ALT-Verhältnis von mehr als 2:1 ist charakteristisch für Patienten mit alkoholbedingter Lebererkrankung
- Ein im Verhältnis zum ALT-Wert überproportional erhöhter AST-Wert scheint durch eine unterschiedliche Abnahme des hepatischen ALT-Werts aufgrund eines Mangels am Cofaktor Pyridoxin-5-phosphat verursacht zu sein
- Ein AST:ALT-Verhältnis von mehr als 2:0 deutet auf eine alkoholische Lebererkrankung hin – dieses Ergebnis schließt jedoch andere Diagnosen nicht aus
- Ein ALT-Wert von über 500 IU/L deutet auf eine andere Diagnose als eine alkoholische Lebererkrankung hin, selbst wenn das AST:ALT-Verhältnis größer als 2:0 ist
- Weitere Blutwerte, die ebenfalls auf das Vorliegen einer alkoholischen Lebererkrankung hindeuten, sind erhöhte Werte der Serum-Gamma-Glutamyltranspeptidase (GGT) sowie des mittleren korpuskulären Volumens
- Ein ALT-Wert von über 500 IU/L deutet auf eine andere Diagnose als eine alkoholische Lebererkrankung hin, selbst wenn das AST:ALT-Verhältnis größer als 2:0 ist
- bei viraler Hepatitis
- Das AST:ALT-Verhältnis, das typischerweise unter 1:0 liegt (insbesondere bei Patienten mit Hepatitis C), kann mit fortschreitender Fibrose und Zirrhose auf höhere Werte ansteigen
- Der genaue Mechanismus der Veränderung des AST:ALT-Verhältnisses im Verlauf einer Lebererkrankung ist unklar, und die Korrelation mit sowie die Genauigkeit bei der Vorhersage des Fibrosegrades und des Vorliegens einer Zirrhose sind umstritten
- Bei vielen Formen akuter und chronischer Leberschäden oder Steatose (Fettleber) liegt das Verhältnis bei höchstens 1
- Eine Studie an 140 Patienten mit nichtalkoholischer Steatohepatitis (NASH; durch Leberbiopsie bestätigt) oder alkoholischer Lebererkrankung ergab ein mittleres AST/ALT-Verhältnis von 0,9 bei Patienten mit NASH und von 2,6 bei Patienten mit alkoholischer Lebererkrankung (2)
- innerhalb der Studienpopulation
- hatten 87 Prozent der Patienten mit einem AST/ALT-Verhältnis von 1,3 oder weniger eine NASH (87 Prozent Sensitivität, 84 Prozent Spezifität)
- Der Schweregrad der NASH, gemessen am Grad der Fibrose, nahm zu, ebenso wie das AST/ALT-Verhältnis
- Bei Patienten mit einer NASH-bedingten Leberzirrhose wurde ein mittleres Verhältnis von 1,4 festgestellt
- innerhalb der Studienpopulation
- Eine Studie an 140 Patienten mit nichtalkoholischer Steatohepatitis (NASH; durch Leberbiopsie bestätigt) oder alkoholischer Lebererkrankung ergab ein mittleres AST/ALT-Verhältnis von 0,9 bei Patienten mit NASH und von 2,6 bei Patienten mit alkoholischer Lebererkrankung (2)
- Die Wilson-Krankheit kann dazu führen, dass das AST/ALT-Verhältnis 4 übersteigt (3)
- Ein AST:ALT-Verhältnis von mehr als 2:1 ist charakteristisch für Patienten mit alkoholbedingter Lebererkrankung
Zusammenfassend lässt sich sagen
- deuten AST:ALT-Verhältnisse auf bestimmte Erkrankungen hin
- Es gibt erhebliche Überschneidungen zwischen den AST:ALT-Verhältnissen bei verschiedenen Erkrankungen
- Dieses Verhältnis darf bei der Diagnosestellung nicht als alleinige Grundlage herangezogen werden
Literaturhinweis:
- Gopal DV, Rosen HR. Abnormale Befunde bei Leberfunktionstests – Interpretation der Ergebnisse zur Eingrenzung der Diagnose und Erstellung einer Prognose. Postgraduate Medicine 2000; 107 (2).
- Orbi D et al. Das Verhältnis von Aspartat-Aminotransferase zu Alanin-Aminotransferase: potenzieller Wert bei der Unterscheidung zwischen nichtalkoholischer Steatohepatitis und alkoholischer Lebererkrankung. Am J Gastroenterol 1999;94:1018-22.
- Davern TJ, Scharschmidt BF. Biochemische Leberuntersuchungen. In: Feldman M, Friedman LS, Sleisenger MH, Hrsg. Sleisenger & Fordtrans „Gastrointestinal and Liver Disease: Pathophysiology, Diagnosis, Management“. 7. Auflage. Philadelphia: Saunders, 2002:1227–38.
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