Andes-Virus (ANDV)
- ist eine Art des Hantavirus aus der Ordnung der Bunyavirales
- Eine ANDV-Infektion beim Menschen wurde erstmals 1995 in Argentinien beschrieben und später im selben Jahr auch in Chile nachgewiesen
- Es ist in Südamerika eine Ursache des Hantavirus-Kardiopulmonalsyndroms (HCP), einer potenziell tödlichen, akuten medizinischen Komplikation bestimmter Hantavirus-Infektionen
- Es ist in Südamerika eine Ursache des Hantavirus-Kardiopulmonalsyndroms (HCP), einer potenziell tödlichen, akuten medizinischen Komplikation bestimmter Hantavirus-Infektionen
- Wildlebende Nagetiere der Familie Cricetidae sind das natürliche Tierreservoir des ANDV, insbesondere die langschwänzige Zwergreisratte (Oligoryzomys longicaudatus). Menschen können sich in Südamerika, vor allem in Argentinien und Chile, durch Kontakt mit infizierten Nagetieren oder deren Ausscheidungen mit dem ANDV infizieren; seltener erfolgt die Ansteckung durch Kontakt mit einer infizierten Person
- Es gibt mehrere ANDV-Hantavirus-Stämme, die mit dem HCP in Verbindung gebracht werden (1)
- Zu den offiziell klassifizierten Stämmen gehören das Castelo-dos-Sonhos-Virus, das Lechiguanas-Virus und das Orán-Virus, während das Araucária-Virus, das Araraquara-Virus, das Bermejo-Virus, das Buenos-Aires-Virus, das Juquitiba-Virus, das Paranoa-Virus und das Plata-Virus zu den nicht klassifizierten Stämmen zählen
Andes-Virus: Ausbruch des MV Hondius
MV Hondius Der Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff (April–Juni 2026) verdeutlichte das Verhalten des Andes-Virus (ANDV) in geschlossenen Umgebungen mit engem Kontakt außerhalb der traditionellen ländlichen Endemiegebiete.
Wichtige klinische Merkmale
Anhaltende Übertragung von Mensch zu Mensch:
- bestätigt als einziges Orthohantavirus, das sich direkt von Mensch zu Mensch verbreiten kann
- Indexfall:
- Zoonotische Ansteckung durch Kontakt mit der langschwänzigen Zwergreisratte (Oligoryzomys longicaudatus) oder deren Ausscheidungen im südlichen Südamerika vor der Abreise aus Ushuaia, Argentinien
- Sekundäre Ausbreitung:
- Enge Unterbringungsbedingungen begünstigten die anschließende Übertragung unter Passagieren und Besatzungsmitgliedern. Die Genomsequenzierung ergab nahezu identische Virusstämme (maximal eine Nukleotidabweichung), was eine einmalige Einschleppung mit anschließender sekundärer Übertragung von Mensch zu Mensch bestätigt.
Mortalität und Demografie:
- Gesamtcluster: 13 Fälle (12 laborbestätigte, 1 wahrscheinlicher Fall).
- Todesfälle: 3.
- Letalitätsrate (CFR): 23 %, was den schweren und aggressiven Verlauf des Hantavirus-Kardiopulmonalen Syndroms (HCPS) unterstreicht.
- Medianalter: 65 Jahre (entspricht der Reisekohorte).
Risikokartierung und Expositionskriterien
Zu den Vektoren für Hochrisikokontakte in gemeinsam genutzten oder beengten räumlichen Umgebungen gehören:
- gemeinsame Nutzung beengter räumlicher Einrichtungen (z. B. Kabinen, gemeinsam genutzte Sanitäranlagen)
- enger Körperkontakt während der Mahlzeiten (gemeinsame Tische/Mahlzeiten)
- Schwellenwert für engen Kontakt:
- Aufenthalt in einem Abstand von weniger als 2 Metern (6 Fuß) zu einer symptomatischen Person für mehr als 15 Minuten ohne geeignete persönliche Schutzausrüstung (PSA).
Projekte zum Gesundheitsschutz und zur Isolierung
Aufgrund der langen Inkubationszeit des ANDV haben internationale Organisationen (WHO, ECDC, UKHSA) eine koordinierte globale Strategie zur Kontaktverfolgung in 33 Ländern vorgeschrieben. Zu den standardisierten Protokollen gehören:
- Quarantänedauer:
- obligatorische aktive Isolation von 42 bis 45 Tagen ab dem Datum der letzten bekannten Exposition
- Überwachung:
- wöchentliche PCR-Tests während des gesamten Quarantänezeitraums, um die Viruslast bereits im präsymptomatischen Stadium frühzeitig zu erkennen.
Anmerkungen:
- Während das ANDV traditionell auf ländliche Lebensräume in Südamerika beschränkt ist, hat die MV Hondius deutlich, dass internationale Reisen und Umgebungen mit engem Kontakt ein echtes Risiko für Sekundärcluster darstellen
- Kliniker sollten ein hohes Maß an Verdachtsdruck aufrechterhalten und bei Patienten, die mit unerklärter akuter Atemnot oder Verdacht auf HCPS vorstellig werden, eine gründliche Anamnese der Reisegeschichte erheben
Quelle:
- Public Health England (Mai 2021). Andes-Hantavirus: Epidemiologie, Ausbrüche und Leitlinien
- Harris GH et al. Andes-Virus – Ein klinischer Überblick. NEJM, 15. Juli 2026.
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