Patienten mit einer körperdysmorphen Störung (BDD) (Dysmorphophobie) sind davon überzeugt, dass ein Teil ihres Körpers zu groß, zu klein oder in irgendeiner Weise deformiert ist. Für Außenstehende erscheint das Erscheinungsbild normal oder weist lediglich eine geringfügige Abweichung auf.
Ursprünglich als atypische somatoforme Störung beschrieben und 1987 dann als eigenständige somatoforme Störung eingestuft, fällt die BDD nun unter die DSM-5-TR im Spektrum der Zwangsstörungen und verwandter Störungen ein. (1)
Um die diagnostischen Kriterien zu erfüllen, müssen Patienten wiederholte Verhaltensweisen zeigen, wie beispielsweise übermäßiges Betrachten im Spiegel, Kaschieren (z. B. das Verbergen des Makels durch Make-up oder Kleidung), Hautzupfen, übermäßige Körperpflege, übermäßiges Krafttraining oder allgegenwärtige mentale Vorgänge wie den Vergleich des eigenen Aussehens mit dem anderer. (2)
BDD weist sowohl psychotische als auch nicht-psychotische Varianten auf, die als separate Störungen klassifiziert werden
- . Trotz ihrer getrennten Klassifizierung deuten die vorliegenden Erkenntnisse darauf hin, dass die wahnhaften und nicht-wahnhaften Formen der BDD viele Gemeinsamkeiten aufweisen (obwohl die wahnhafte Variante schwerwiegender zu sein scheint), was darauf hindeutet, dass es sich tatsächlich um dieselbe Störung handeln könnte, die durch ein Spektrum an Einsicht gekennzeichnet ist
Zu den häufig betroffenen Körperteilen gehören Nase, Ohren, Mund, Brüste, Gesäß und Penis, doch kann jeder Körperteil betroffen sein.
Zu den Faktoren, die eine Prädisposition für BDD darstellen können, gehören:
- geringes Selbstwertgefühl
- kritische Eltern und wichtige Bezugspersonen
- Trauma in der frühen Kindheit
- unbewusste Verdrängung emotionaler Konflikte
Etwa 75 % der Menschen mit BDD leiden unter einer früheren oder aktuellen schweren depressiven Störung. Dies ist die häufigste Begleiterkrankung. (3) Bei Patienten mit BDD traten Sozialphobie (16 %), Zwangsstörungen (6 %) und psychotische Störungen früher auf und wiesen höhere Lebenszeitprävalenzraten auf; zudem gab es bei Verwandten ersten Grades höhere Raten an Substanzgebrauchsstörungen (3)
Patienten leiden typischerweise bis zu 15 Jahre lang an BDD, bevor sie eine psychiatrische Behandlung erhalten. (4)
Eine angemessene medikamentöse Therapie und kognitive Verhaltenstherapie bei BDD führen zu hohen Ansprech- und Remissionsraten. (5) Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) und das trizyklische Antidepressivum Clomipramin sind die Medikamente der ersten Wahl bei BDD. (6) SSRI werden in der Regel vor Clomipramin ausprobiert, da sie meist besser vertragen werden (7), jedoch sind meist hohe Dosen von SSRI oder Clomipramin erforderlich, typischerweise im Bereich, der bei Zwangsstörungen verwendet wird, und höher als die Dosen, die häufig bei anderen Störungen (z. B. Depressionen) eingesetzt werden (8)
Literaturhinweis:
- França K, Roccia MG, Castillo D, ALHarbi M, Tchernev G, Chokoeva A, Lotti T, Fioranelli M. Körperdysmorphe Störung: Geschichte und Kuriositäten. Wien Med Wochenschr. Okt. 2017;167(Suppl. 1):5–7
- Phillips KA, Wilhelm S, Koran LM, Didie ER, Fallon BA, Feusner J, Stein DJ. Körperdysmorphe Störung: Einige zentrale Fragen für das DSM-V. Depress Anxiety. Juni 2010;27(6):573–91.
- Gunstad J, Phillips KA. Achse-I-Komorbidität bei der körperdysmorphen Störung. Compr Psychiatry. Juli–August 2003;44(4):270–6.
- Neziroglu, F, Lippman, N. Ein Überblick über die körperdysmorphe Störung nach 20 Jahren Forschung. Aus Clin Psych. 2015;1(1):22–9.
- Phillips KA, Keshaviah A, Dougherty DD et al. Pharmakotherapeutische Rückfallprävention bei der körperdysmorphen Störung: eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie. Am J Psychiatry. 1. September 2016;173(9):887–95.
- Castle D, Beilharz F, Phillips KA et al. Körperdysmorphe Störung: Eine Behandlungsübersicht und ein Konsens im Auftrag des International College of Obsessive-Compulsive Spectrum Disorders und des Obsessive Compulsive and Related Disorders Network des European College of Neuropsychopharmacology. Int Clin Psychopharmacol. 1. März 2021;36(2):61–75.
- Koran LM, Hanna GL, Hollander E et al. Praxisleitlinie zur Behandlung von Patienten mit Zwangsstörung. Am J Psychiatry. Juli 2007;164(Beilage 7):5–53.
- Phillips KA, Kelly MM. Körperdysmorphe Störung: klinischer Überblick und Zusammenhang mit der Zwangsstörung. Focus (Am Psychiatr Publ). Okt. 2021;19(4):413–9.
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