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Von Fledermäusen übertragene Zoonosen: Übertragung, Auswirkungen, Prävention und Bekämpfung

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Autorenteam

Globale Umweltfaktoren: Der vom Menschen verursachte Klimawandel, die Entwaldung und der Verlust der Artenvielfalt verändern die Lebensräume und das Futtersuchverhalten von Fledermäusen, wodurch frucht- und insektenfressende Fledermäuse in städtische und landwirtschaftliche Gebiete gedrängt werden und das Risiko einer Übertragung von Zoonosen steigt (1):

  • außergewöhnliche Wirtsbiologie: Fledermäuse dienen als ideale Virusreservoirs, da sie proinflammatorische Immunreaktionen unterdrücken – wodurch sie asymptomatische Infektionen mit hohem Titer aufrechterhalten können – und in stark sozialen Kolonien leben, die eine schnelle Übertragung von Erregern innerhalb der Art begünstigen
  • Wichtige klinische Erreger: Zu den mit Fledermäusen assoziierten Erregern von großer Bedeutung für die öffentliche Gesundheit zählen Lyssaviren (Tollwutvirus, Australisches Fledermaus-Lyssavirus), Filoviren (Ebola-Virus, Marburg-Virus), Henipaviren (Nipah-Virus, Hendra-Virus) und dimorphe Pilze (Histoplasma capsulatum)

Erregerspezifische klinische Merkmale und Übertragungswege

  1. Filoviren (Ebola-Virus und Marburg-Virus)
  • Ebola-Virus-Krankheit (EVD):
    • Übertragung: Flughunde (z. B. Hypsignathus monstrosus) und insektenfressende Fledermäuse gelten als stark vermutete Reservoirwirte (gestützt durch PCR-RNA-Nachweis, Seropositivität und epidemiologische Zusammenhänge mit dem Umgang mit Fledermäusen bzw. Buschfleisch), obwohl die direkte Isolierung von lebendem, infektiösem Virus aus wildlebenden Fruchtfledermäusen bislang nicht nachgewiesen wurde; die sekundäre Ausbreitung erfolgt durch Mensch-zu-Mensch-Kontakt mit infektiösen Körperflüssigkeiten (Blut, Schweiß, Erbrochenes, Urin, Stuhl, Muttermilch und Sperma)
    • Viruspersistenz: Lebensfähiges Virus bleibt an immunprivilegierten Stellen bestehen (z. B. im Sperma für >470 Tage nach der Genesung, was zu einer sexuellen Übertragung führt, sowie in der Muttermilch)
    • Klinisches Bild: Inkubationszeit 2 bis 21 Tage (im Mittel 6,2 Tage); hohes Fieber, starke Muskelschmerzen und Erschöpfung, fortschreitend zu ausgeprägten gastrointestinalen Symptomen, Schock, Gerinnungsstörungen/Blutungen und Multiorganversagen
    • Mortalität: Das gepoolte Letalitätsrisiko liegt je nach Spezies zwischen 53 % und 75 % (am höchsten beim Zaire-Ebolavirus)
  • Marburg-Virus-Krankheit (MVD):
    • Übertragung: Primärer Spillover von in Höhlen lebenden ägyptischen Fruchtfledermäusen (Rousettus aegyptiacus); die sekundäre Ausbreitung erfolgt über direkten Kontakt mit infektiösen Körperflüssigkeiten
    • Klinisches Bild: Inkubationszeit 3 bis 13 Tage; plötzliches Auftreten von hohem Fieber, starken Kopfschmerzen, wässrigem Durchfall, Bauchkrämpfen und schweren hämorrhagischen Symptomen
    • Sterblichkeit: Das geschätzte gepoolte Sterberisiko liegt bei 61 %
  1. Lyssaviren (Tollwutvirus und Australisches Fledermaus-Lyssavirus)
  • Tollwutvirus:
    • Übertragung: erfolgt über Speichel durch Bisse, Kratzer oder Kontakt mit Schleimhäuten; Vampirfledermäuse (Desmodus rotundus) sind in Amerika die Hauptüberträger in der freien Natur, während weltweit Hunde der wichtigste Überträger bleiben (>95 % der Todesfälle beim Menschen)
    • Klinisches Bild: Die Inkubationszeit reicht von Tagen bis zu >1 Jahr; der Krankheitsverlauf reicht von unspezifischen Parästhesien und Fieber bis hin zur furiosen Tollwut (Hyperaktivität, Unruhe, Hydrophobie, Aerophobie) oder der paralytischen Tollwut (Tetraplegie, Bulbärparalyse)
    • Sterblichkeit: Das Risiko eines tödlichen Verlaufs liegt bei fast 100 %, sobald klinische Symptome auftreten
  • Australisches Fledermaus-Lyssavirus (ABLV):
    • Übertragung: Übertragung durch Kratzer oder Bisse infizierter fruchtfressender (Flughunde) oder insektenfressender Fledermäuse in Australien
    • Klinisches Bild: Die Inkubationszeit reicht von 3 Wochen bis zu 27 Monaten; die Erkrankung beginnt mit Fieber, Kopfschmerzen und Erschöpfung und eskaliert rasch zu schwerer Enzephalitis, Muskelkrämpfen, Lähmungen und zum Tod
    • Sterblichkeit: 100 % Sterberisiko (insgesamt 4 dokumentierte Fälle beim Menschen)
  1. Henipaviren (Nipah-Virus und Hendra-Virus)
  • Nipah-Virus (NiV):
    • Übertragung: direkter Kontakt mit Flughunden (Pteropus spp.), Verzehr von rohem Dattelpalmen-Saft, der mit Fledermausspeichel oder -exkrementen kontaminiert ist (Südasien), Kontakt mit tierischen Zwischenwirten (z. B. Schweinen in Malaysia, Pferden auf den Philippinen) oder von Mensch zu Mensch
    • Klinisches Bild: Inkubationszeit 8 bis 17 Tage; anfängliche grippeähnliche Erkrankung, die rasch zu einer akuten Enzephalitis (Verwirrtheit, Krampfanfälle, Schädelnervenlähmungen) und schwerer Atemnot eskaliert
    • Sterblichkeit und Folgeerkrankungen: Das gepoolte Sterberisiko reicht von 28,9 % (Malaysia) bis 82,7 % (Indien); 24 % bis 45 % der Überlebenden leiden unter langfristigen neurologischen oder neuropsychiatrischen Folgeerkrankungen (kognitive Beeinträchtigungen, chronische Müdigkeit, rezidivierende Enzephalitis)
  • Hendra-Virus (HeV):
    • Übertragung: Spillover von Pteropus Flughunde auf Pferde über mit Urin/Exkrementen kontaminierte Weiden oder Futter; Übertragung auf den Menschen ausschließlich durch engen Körperkontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Pferde
    • Klinisches Bild: Inkubationszeit 5 bis 21 Tage; grippeähnliche Symptome, die zu einer schweren Lungenentzündung und/oder Enzephalitis fortschreiten
    • Sterblichkeit: 57 % Letalitätsrate (4 Todesfälle bei 7 Fällen beim Menschen)
  1. Dimorphe Pilze (Histoplasma capsulatum)
  • Histoplasmose:
    • Übertragung: Einatmen von Mikrokonidien, die aus Boden oder organischem Material, das stark mit Fledermausguano angereichert ist (z. B. Höhlen, Dachböden, hohle Bäume), in die Luft gelangen
    • Klinisches Bild: Inkubationszeit 14 bis 28 Tage; akute Lungenerkrankung (Fieber, trockener Husten, substernale Brustschmerzen), chronische kavitäre Lungenerkrankung oder progressive disseminierte Histoplasmose mit Beteiligung mehrerer Organsysteme
    • Mortalität und Risikogruppen: geringe Mortalität bei immunkompetenten Personen (~5 %); hohes Sterberisiko (20,8 % bis 52,8 %) bei Personen mit fortgeschrittenem HIV/AIDS oder schwerer Immunsuppression

Präventions- und Behandlungsstrategien

Impfung und Postexpositionsprophylaxe (PEP)

  • Tollwut und ABLV-PEP:
    • Kategorie I (Berühren/Lecken intakter Haut): betroffene Hautstelle waschen
    • Kategorie II (leichte Kratzer/Bisse ohne Blutung): sofortige Wundreinigung + Tollwut-Impfserie (intradermal oder intramuskulär)
    • Kategorie III (transdermale Bisse/Kratzer, Kontakt mit Fledermäusen, Speichel auf Schleimhäuten): sofortige gründliche Wundreinigung + Tollwut-Impfserie + Tollwut-Immunglobulin (RIG), das in die Wunde oder um die Wunde herum injiziert wird (RIG nicht erforderlich, wenn zuvor geimpft wurde)
    • Wirksamkeit des Impfstoffs: Die intradermale (0,1 mL) und die intramuskuläre (0,5/1,0 mL) Verabreichung weisen gleichwertige Serokonversionsraten auf ($\ge0,5\text{ IU/mL}$ bis zum 14. Tag)
  • Ebola-Impfung:
    • rVSV-AG-ZEBOV (Ervebo): Von der FDA/EMA zugelassener rekombinanter Lebendimpfstoff als Einzeldosis, der bei Erwachsenen und Kindern einen robusten Schutz gegen das Zaire-Ebolavirus bietet

Gezielte Pharmakotherapie

  • Zaire-Ebolavirus: Die von der FDA zugelassenen monoklonalen Antikörper Inmazeb (REGN-EB3) und Ebanga (MAb114) senken die 28-Tage-Mortalität im Vergleich zur Standardtherapie oder älteren Behandlungsschemata signifikant
  • Histoplasmose: Liposomales Amphotericin B ist Amphotericin B-Deoxycholat bei der Induktionstherapie bei schwerer/disseminierter Erkrankung überlegen; orales Itraconazol ist das Mittel der Wahl für die Konsolidierung und langfristige Suppression
  • Supportive Versorgung: Hauptpfeiler der Behandlung bei Marburg, Nipah, Hendra, Tollwut und ABLV (z. B. aggressive Flüssigkeits- und Elektrolyttherapie, Krampfanfallkontrolle, intensivmedizinische Unterstützung)

„One Health“ und ökologische Prävention

  • Barriere-Schutz: Physischer Ausschluss von Fledermäusen aus Wohnräumen, Abdecken von Sammelgefäßen für Dattelpalmen-Saft mit Bambusröhren und Vermeidung von Kontakt mit Höhlen und Fledermauskot
  • Tiergesundheit: Routinemäßige Impfung von Haushunden gegen Tollwut und von Pferden gegen das Hendra-Virus; Abdeckung von Futter- und Wassertrog sowie deren Aufstellung fernab von Fledermausquartieren
  • Sicherheit im Gesundheitswesen: strenge Barrierepflege, Isolation unter Unterdruck und spezielle persönliche Schutzausrüstung (PSA) bei der Patientenversorgung

Literaturhinweis:

  1. Stanhope J, Boardman WSJ, Burrell C, Bi P, Weinstein P. Von Fledermäusen übertragene Zoonosen: Übertragung, Auswirkungen, Prävention und Management. BMJ. 2026;395:e100560. DOI: 10.1136/bmj-2026-100560.

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