ISLEND-2-Studie – Umstellung von der täglichen Standardtherapie bei HIV-1 auf eine einmal wöchentliche Einnahme einer Einzeltablette mit Islatravir und Lenacapavir
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Umstellung von der täglichen Standardtherapie gegen HIV-1 auf eine einmal wöchentliche Einnahme einer Einzeltablette mit Islatravir und Lenacapavir (ISLEND-2-Studie)
Überblick
- ISLEND-2 ist eine multizentrische, randomisierte, offene, aktiv kontrollierte Phase-3-Studie zur Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit der Umstellung bei virologisch supprimierten Erwachsenen mit HIV-1 auf eine einmal wöchentlich einzunehmende Einzeltabletten-Therapie mit Islatravir (2 mg) plus Lenacapavir (300 mg) im Vergleich zur Fortsetzung der täglichen Standardtherapie (SOC) mit oraler antiretroviraler Therapie (ART)
- Wichtigstes Ergebnis: Die Umstellung auf die einmal wöchentlich zu verabreichende orale ISL/LEN-Therapie erwies sich als die Nichtunterlegenheit bei der Aufrechterhaltung der virologischen Suppression in Woche 48 im Vergleich zur täglichen SOC und bietet damit eine neuartige, langwirksame orale Alternative zu täglichen Tabletten
Studiendesign und Methoden
- Design: Phase-3-Studie, randomisiert (1:1), offen, aktivkontrolliert, zur Nachweis der Nichtunterlegenheit, durchgeführt in 13 Ländern
- Studienpopulation: 626 Erwachsene mit HIV-1, die unter einer stabilen, den Leitlinien entsprechenden täglichen oralen Standardtherapie (SOC) (INSTI-, NNRTI- oder PI-basierte Therapien mit Verstärker) eine virologische Suppression (HIV-1-RNA < 50 Kopien/ml über ≥ 6 Monate) aufwiesen
- Interventionsgruppe: Umstellung auf einmal wöchentlich eine Einzeltablette mit 2 mg Islatravir / 300 mg Lenacapavir (ISL/LEN)
- Kontrollgruppe: Setzte die derzeitige tägliche orale Standardtherapie (SOC) fort
- Primärer Endpunkt: Anteil der Teilnehmer mit einer HIV-1-RNA von ≥50 Kopien/ml in Woche 48 (FDA-Snapshot-Algorithmus, Nichtunterlegenheitsmarge 4 %)
Wichtigste Ergebnisse
1. Wirksamkeit (Woche 48)
- virologisches Versagen (HIV-1-RNA ≥ 50 Kopien/ml): erfüllte die Kriterien für Nichtunterlegenheit (die virologischen Versagensraten waren extrem niedrig: 0,3 % in der ISL/LEN-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe)
- Aufrechterhaltung der virologischen Suppression (<50 Kopien/ml): In beiden Studienarmen wurden hohe Raten der Virusunterdrückung aufrechterhalten (~93–94 %)
- Resistenz: Bei den Teilnehmern, bei denen ein protokolldefiniertes virologisches Versagen auftrat, wurde keine neu auftretende Resistenz gegen Islatravir oder Lenacapavir festgestellt
2. Sicherheit und Verträglichkeit
- Allgemeine Sicherheit: Die einmal wöchentliche Dosierung war im Allgemeinen sicher und gut verträglich
- Unerwünschte Ereignisse (UE):
- Behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse traten bei 18 % der ISL/LEN-Gruppe auf, gegenüber <1 % in der offenen SOC-Gruppe (was in erster Linie auf einen Berichtsverzerrungseffekt bei neuen Behandlungen in offenen Studien zurückzuführen ist)
- Zu den häufigen leichten bis mittelschweren Nebenwirkungen in der ISL/LEN-Gruppe gehörten Kopfschmerzen (5 %), Durchfall (3 %)sowie Übelkeit (3 %)
- Abbrüche: Die Abbruchraten aufgrund unerwünschter Ereignisse waren in beiden Gruppen sehr gering (<1 %)
- Labor- und körperliche Parameter: Die Gesamtzahl der Lymphozyten und der CD4+-T-Zellen blieb stabil; es wurden keine klinisch bedeutsamen Gewichtsveränderungen beobachtet
3. Von Patienten berichtete Ergebnisse (PROs)
- über 75 % der Teilnehmer, die auf eine einmal wöchentliche ISL/LEN-Therapie umgestellt hatten, gaben an, zufriedener oder deutlich zufriedener mit der wöchentlichen Einnahme im Vergleich zu ihrer bisherigen täglichen Einnahme
- Fast zwei Drittel gaben an, dass die tägliche Einnahme belastender sei, verglichen mit nur 1 % bei der wöchentlichen Einnahme
Praktische Implikationen für die Primärversorgung und HIV-Spezialisten
- Langwirksame orale Option: bietet einen Mittelweg für Patienten, die eine langwirksame Behandlung wünschen, ohne dass intramuskuläre Injektionen erforderlich sind (z. B. Cabotegravir/Rilpivirin)
- Komplementarität der Wirkmechanismen: kombiniert Islatravir (ein Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Translokationshemmer / NRTTI) und Lenacapavir (ein HIV-Kapsid-Hemmer der ersten Generation) und bietet dadurch eine hohe Wirksamkeit sowie lange Halbwertszeiten, die eine wöchentliche Dosierung ermöglichen
- Einhaltung der Therapie und Flexibilität: kann die Therapietreue und Lebensqualität von Patienten verbessern, die unter der täglichen Einnahme von Tabletten, Reisebelastungen oder Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre im Zusammenhang mit täglichen Therapien leiden
Referenz:
- Colson A et al. Umstellung von der täglichen Standardtherapie gegen HIV-1 auf einmal wöchentlich einzunehmendes Islatravir–Lenacapavir in Form einer Einzeltablette (ISLEND-2): eine multizentrische, randomisierte, offene, aktiv kontrollierte Nichtunterlegenheitsstudie der Phase 3. The Lancet, 2026
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